Ghana - Schrottplatz für Elektogeräte aus Europa

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Ghana - Schrottplatz für Elektogeräte aus Europa

Eigentlich heisst das Viertel am Rand der Stadt Agbobloshi. Doch viele in Ghanas Hauptstadt Accra nennen die Gegend mit den Rauchsäulen einfach Sodom und Gomorrha. Das Gebiet ist eine Müllhalde. Aber keine gewöhnliche. Hier liegen Kabel und Computergehäuse, Kühlschränke und Bildschirmröhren - Elektroschrott, der normalerweise unter hohen Auflagen entsorgt werden müsste. In Agbobloshi werden die bleihaltigen Bildschirmröhren von Hand zertrümmert, die Kabel unter freiem Himmel verbrannt. Als Schutzmasken dienen höchstens ein paar Tücher vor der Nase.

Elektroschrott

Laut einer Schätzung des Uno-Umweltprogramms fallen weltweit pro Jahr 40 bis 50 Millionen Tonnen Elektroschrott an, (andere Quellen sprechen von bis zu 100 Millionen Tonnen). Experten prognostizieren, dass die Menge drastisch zunehmen wird, denn in Entwicklungsländern explodieren die Verkäufe von Handys und elektronischem Spielzeug. Während in OECD-Ländern mehr als 95 Prozent in offiziellen Anlagen rezykliert wird, sind es in Afrika und Asien bedeutend weniger. «Wir schätzen, dass dort 50 bis 75 Prozent des Elektroschrotts im informellen Sektor wiederverwertet wird», sagt Mathias Schluep vom Forschungsinstitut Empa in St. Gallen. Informell heisst: auf Müllhalden wie jener in Ghana.

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Verbrenner und Sammler
Raphael Fasko sitzt in einem Restaurant im Zürcher Bahnhof und zückt seinen Fotoapparat. Er zeigt Bilder von Agbobloshi. Der Umweltnaturwissenschafter ist nur für ein paar Tage in der Schweiz - dann geht es zurück nach Ghana zur Erforschung der Müllhalde. Er spricht von Massenflussdiagrammen und dem sozioökonomischen System der Müllhalde, erzählt, wie er sich erst das Vertrauen der «Burner» und «Scavenger», der Verbrenner und Sammler, verdienen musste, bevor er etwas über Preise und Lieferanten erfuhr. Fasko leistet seinen Zivildienst in Ghana und arbeitet in einem Projekt der Empa, in dem das Elektroschrott-Wirtschaftssystem von fünf westafrikanischen Ländern untersucht wird - ein erster Schritt, um den Ländern beim Aufbau eines nachhaltigen Recycling-Systems zu helfen.

Nachhaltig heisst auch, dass jene, die heute auf offenem Feld Kabel verbrennen, ihre Arbeit nicht verlieren. Allein in Accra leben etwa 5000 Menschen von den Metallen, welche die kaputten Geräte noch hergeben.

In den Schrottbergen stecken wertvolle Ressourcen. Gold zum Beispiel: 3 Prozent der jährlichen Gold- und Silberförderung wird in Computern und Handys verarbeitet. Auch Kupfer und Palladium, Kobalt oder Indium sind Rohstoffe, die auf den Schrottplätzen landen. In Säurebädern lassen sich die Metalle lösen - allerdings nur zu einem kleinen Teil.

Müllhalde

Auch wenn es nach Weltuntergang aussieht - die Stimmung in Agbobloshi ist nicht trist. «Auf dem Platz wimmelt es wie auf einem Ameisenhaufen, alle arbeiten», sagt Raphael Fasko. Es herrsche eine klare Hierarchie. Wer ohne Geld aus dem ländlichen Norden Ghanas auf die Müllhalde kommt, dem bleibt oft nur das Sammeln kleiner Metallteile mit einem Magnet. Oft sind es Kinder, die versuchen, auf diese Weise zu überleben.

Die ungeschützte Arbeit in den Schrott-Minen gefährdet die Gesundheit. «Wenn ich eine halbe Stunde im Rauch dieser Feuer stehe, bekomme ich Kopfschmerzen», sagt Raphael Fasko. Die Rauchschwaden enthalten krebserregende Dioxine. Allein in Westafrika verursacht das Verbrennen von Plastic 20 Prozent der Dioxin-Emissionen von ganz Europa, heisst es bei der Empa. Aber nicht nur das Dioxin des verbrannten Plastics ist schädlich (siehe Grafik). Laut einer Studie der United Nations University, die im Januar veröffentlicht wurde, liegen auch die Werte von Blei, von Furanen und bromierten Flammschutzmitteln auf Elektroschrott-Halden weit über den Grenzwerten.

Elektronikteile

«Wenn wir das Verbrennen des Schrotts verhindern können, haben wir schon viel geschafft», sagt Mathias Schluep. In Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft und Partnern der Uno hat die Empa in den letzten zehn Jahren die Schrott-Wirtschaftssysteme von über zwanzig Entwicklungsländern untersucht. «In einem Pilotprojekt in Indien haben die Recycler eine neue Methode entwickelt, um das Plastic von den Kabeln zu schälen.» Statt die Umhüllung zu verbrennen, würden sie die Kabel nun zwischen Zehen und Oberkörper spannen und so das Plastic abziehen.

Zudem wurde auf dem indischen Schrottplatz eine Kooperative gegründet, die den Sammlern jene Stoffe abnimmt, die gefährlich sind oder die sie selber nicht verarbeiten können. «Sie verdienen sogar mehr auf diese Weise», erklärt Schluep. Denn wenn die Müllsammler das Gold der Leiterplatten selber in Säurebädern lösen, gewinnen sie höchstens 25 Prozent des Metalls. Die Kooperative aber kann eine grosse Menge an Platten sammeln, womit sich eine industrielle Raffinierung lohnt - mit besserer Technik können 98 Prozent des Goldes gelöst werden, und die Einkünfte steigen für alle.

Während sich der Handel mit Metallen lohnt, rentiert die Verwertung von anderen Abfallstoffen nicht. «Sorgen machen mir die Röhrenbildschirme und Kühlschränke», sagt Schluep. Diese müssten aufwendig entsorgt werden - das kostet mehr, als die gewonnenen Stoffe dann hergeben. Die Abnahme der Bildschirme müsste darum zum Beispiel subventioniert werden. «Um dieses Problem zu lösen, brauchen wir Geld.» Schluep findet, dass hier die Industrie Verantwortung übernehmen müsse, zum Beispiel, indem sie einen Solidaritätsfonds gründet.

Ein weiteres Problem sind die Müllexporte aus Industrieländern, die als Secondhand-Lieferungen deklariert werden. Mit diesem Trick umgehen die Exporteure die Basler Konvention, die den Export von Elektroschrott in Nicht-OECD-Länder verbietet. In den Containern, die in Ghana ankommen, sind je nach Klassifizierung 10 bis 60 Prozent der Geräte defekt. «In der Schweiz bleiben ab und zu Privatpersonen im Zoll hängen, die zum Beispiel kaputte Fernsehgeräte nach Afrika exportieren wollen», sagt Marco Buletti vom Bafu. Doch da die Schweiz ein Binnenland sei, werde wohl eher wenig Schrott geschmuggelt.

Elektroschrott-Fernseher

Die Kontrolle der grossen Häfen wie in Hamburg sei schwieriger. Auch die Diaspora spielte eine Rolle, sagt Mathias Schluep von der Empa. In Deutschland gebe es zum Beispiel eine nigerianische Gemeinschaft, die im grossen Stil defekte Waren nach Nigeria verschifft. «Den Secondhand-Handel zu verbieten, ist aber nicht die Lösung», sagt Mathias Schluep. Aber die Kontrollen am Zoll müssten verbessert werden, damit mehr faule Container voller Schrott abgefangen würden.

Greenpeace deckt illegalen Export von Elektroschrott auf

Europäische "Recycling"-Firmen deklarieren Elektroschrott als Gebrauchtware und verkaufen ihn an Händler in Dritte-Welt-Ländern, anstatt ihn zu entsorgen - auf diesen illegalen Export macht Greenpeace bereits seit Jahren aufmerksam. Nun legen die Umweltschützer erneut Belege vor: Zusammen mit dem britischen TV-Sender Sky und der Zeitung The Independent haben sie ein GPS-Modul in einen defekten Fernseher eingebaut und dessen Weg von England bis nach Nigeria verfolgt.

Das Greenpeace-Team gab den Fernseher bei einer Recycling-Firma ab, die im Auftrag der Bezirksregierung von Hampshire den Bürgern ihre Altgeräte abnimmt. Die Firma verkaufte den von Greenpeace irreparabel zerstörten Fernseher an das Unternehmen "BJ Electronics", das ihn nach Lagos verschiffte. Nach EU-Recht, das die Mitgliedsstaaten in nationale Gesetze umgesetzt haben, darf Elektroschrott nur in OECD-Länder exportiert werden. Greenpeace-Aktivist Eric Albertson stöberte den Fernseher schließlich in einem Container auf dem Alaba-Elektromarkt in Lagos auf und kaufte ihn zurück.

Afrikanische Händler nehmen Elektroschrott ab, weil sie enthaltene Metalle wie Gold und Kupfer mit Gewinn weiterverkaufen können. Die Sky-Reporter schildern, wie Jugendliche das Plastik der Kabel und Platinen verbrennen, um an das Metall zu gelangen. Bei der Verbrennung werden Gifte freigesetzt, darunter krebserregende Dioxine, hirnschädigendes Quecksilber, Blei, das unfruchtbar machen kann und Cadmium, das die Nieren schädigt.

Erst im August 2008 hatte Greenpeace in Ghana recherchiert und dort falsch deklarierte Elektromüll-Lieferungen aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Korea gefunden. Frühere Aktionen prangerten den Export nach China, Pakistan und Indien an. Informationen über die Gesamtmenge des in den westlichen Ländern anfallenden Elektroschrotts und die enthaltenen Gifte liefern die "Toxic-Tech"-Studien.

Die Forderungen der Umweltschützer richten sich nicht an Regierungen, sondern an die Hersteller: Diese sollen erstens auf die Verwendung giftiger Substanzen verzichten und zweitens die Verantwortung für die Entsorgung ihrer Produkte übernehmen. Die Kosten dafür sollen schon im Verkaufspreis enthalten sein.

In Deutschland müssen die Hersteller die Entsorgungskosten seit Inkrafttreten des Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) im Jahr 2005 tragen, gesammelt wird der Schrott von den Städten und Gemeinden. Die Sammelmengen sind allerdings enttäuschend, und wie der Greenpeace-Bericht nun erneut beweist, garantiert zumindest in Großbritannien die Abgabe in öffentlichen Recycling-Stellen keine legale Entsorgung.

Quellen:

http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/giftiges_gold_1.5547679.html

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Greenpeace-deckt-illegalen-Export-von-Elektroschrott-auf-748028.html

Artikel verfasst: 28.04.2010, 19:04 Uhr

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Kommentar: Jannsen

09.05.2010, 15:49 Uhr

Hört sich sehr interessant an!

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